Die Kette ist neu, und trotzdem springt sie am ersten steilen Stück über die Ritzel. Dann liegt es an der Kassette. Neue Kette und alte Ritzel passen nicht mehr sauber zusammen. Getauscht wird die Kassette mit Kassettenabzieher und Kettenpeitsche, danach sitzt der Verschlussring wieder mit 30 bis 50 Nm. Wir zeigen dir, woran du den Verschleiß erkennst und wie der Wechsel am Fahrrad und am E-Bike gelingt.
Woran du eine verschlissene Kassette erkennst
Die Kassette ist das Ritzelpaket am Hinterrad, oft auch Zahnkranz genannt. Ihre Zahnprofile sind laut Shimano auf exakt definierte Abstände der Kettenglieder ausgelegt. Längt sich die Kette mit der Zeit, greift sie nicht mehr sauber in diese Profile und nutzt die Ritzel stärker ab.
Zuerst merkst du es beim Schalten. Die Gänge wechseln unsauber, und unter Last rutscht die Kette durch oder springt über die Zähne. Dieselben Anzeichen zeigt allerdings auch eine verschlissene Kette. Der erste Prüfschritt gilt deshalb der Kette, und ob sie gelängt ist, zeigt die Kettenlehre. Springt der Antrieb auch mit neuer Kette und sauber eingestellter Schaltung weiter über die Ritzel, ist die Kassette verschlissen.
So lange hält eine Kassette
Eine feste Laufleistung gibt es für die Kassette nicht, auch Shimano nennt in seinen Anleitungen keinen Kilometerwert. Den Takt gibt die Kette. Tauschst du die Kette rechtzeitig, wechselst du die Kassette laut Shimano deutlich seltener.
Dazu kommen die Bedingungen. Schmutz im Antrieb beschleunigt den Verschleiß an Kette und Ritzeln enorm. Laut CUBE-Anleitung verkürzen auch Nässe und hohe Dauerlast die Wartungsabstände. Für viel Last gibt es eine eigene Bauart: LINKGLIDE-Kassetten sieht Shimano vor allem fürs E-Bike und fürs Gravelrad mit bis zu 11 Gängen vor und beschreibt sie als besonders verschleißfest.
Neue Kette auf alter Kassette
Sind Kette und Kassette beide verschlissen, kommen sie zusammen neu. Laut Shimano passt das neue Teil sonst nicht sauber zum alten. Das zeigt sich genau dann, wenn nur die Kette getauscht wurde und die frische Kette auf den abgenutzten Ritzeln springt. Reißt die Kette oder rutscht sie unter Last richtig durch, sind nach Shimano meist beide hinüber.
Weil die Kassette deutlich materialintensiver ist als die Kette, lohnt es sich, die Kette früh zu tauschen. Achte dabei auf eine neue Kette mit gleicher Fachzahl, also 11- oder 12-fach wie Kassette und Schaltwerk.
Kassette wechseln in sechs Schritten
Mit dem passenden Werkzeug tauschst du die Kassette selbst, wenn du diese Reihenfolge einhältst:
- Nimm am E-Bike zuerst den Akku heraus, dann baust du das Hinterrad aus.
- Setze den Kassettenabzieher in den Verschlussring und lege die Kettenpeitsche auf ein Ritzel, das kleiner ist als das mittlere. Auf größeren Ritzeln sitzt sie laut Shimano instabil.
- Löse den Verschlussring mit dem Schraubenschlüssel am Abzieher, während die Kettenpeitsche gegenhält. Nimm danach Ring und Ritzel ab.
- Setze die neue Kassette auf den Freilaufkörper. Er hat nur eine breite Nut, in die der breite Vorsprung jedes Ritzels gehört. Du beginnst mit dem größten Ritzel, die Markierung zeigt nach außen.
- Ziehe den Verschlussring mit dem Abzieher auf 30 bis 50 Nm fest. Die Kettenpeitsche brauchst du dafür nicht.
- Baue das Hinterrad ein und schalte alle Gänge durch. Die Kette darf dabei nicht springen.
Beim Lösen bricht der Widerstand des Verschlussrings plötzlich weg. Shimano schreibt deshalb Handschuhe und Schutzbrille vor. Läuft die Kette nach dem Einbau nicht sauber, prüfst du die Einstellung des Schaltwerks, denn auch diesen Schritt nennt Shimano nach der Montage.
Distanzringe und Sonderfälle beim Einbau
Nicht jede Kassette sitzt nach demselben Muster auf dem Freilauf. Welche Distanzringe in welcher Reihenfolge auf den Freilaufkörper gehören, steht bei Shimano in der Anleitung der jeweiligen Kassette. Dazu kommen diese Sonderfälle:
- 12-fach mit 10-51 Zähnen: Das kleinste Ritzel kommt zuletzt und wird am zweiten ausgerichtet.
- CS-HG800 mit 11 Gängen am Rennrad-Freilauf: Zuerst gehört ein Distanzring von 1,85 mm auf den Freilaufkörper.
- LINKGLIDE: Gefahren wird nur mit der Kette HG-X 11-fach oder CN-LG500.
Sitzt ein Ritzel verdreht, nimmt die Verzahnung Schaden, und die Kette springt.
Kassette am E-Bike wechseln: erst den Akku entnehmen
Für den Ausbau des Hinterrads nimmst du die Kette von der Kassette, beim Durchschalten drehst du die Kurbel. Bosch schreibt vor, vor solchen Arbeiten den Akku zu entnehmen, weil sich das E-Bike einschalten kann, sobald die Pedale rückwärts laufen. Einen fest verbauten Akku entnimmst du nicht selbst. In dem Fall sicherst du das Rad sorgfältig gegen Einschalten, und den Ausbau übernimmt ein autorisierter Fahrradhändler. Ob der Akku in deinem Rad entnehmbar oder fest verbaut ist, hängt an der Bauform.
Das Werkzeug für den Kassettenwechsel
Ohne Spezialwerkzeug geht es nicht. Der Kassettenabzieher greift in den Ring, bei Shimano etwa der TL-LR15, für 12-fach-Kassetten am Mountainbike auch der TL-LR021. Die Kettenpeitsche wie der TL-SR24 hält die Ritzel beim Lösen fest. Dazu kommen ein Schraubenschlüssel für den Abzieher und ein Drehmomentschlüssel für die 30 bis 50 Nm. Für SRAM-Kassetten nennt die Anleitung der Kassette das passende Werkzeug.
Die passende Ersatzkassette
Die neue Kassette braucht dieselbe Fachzahl wie die alte und ein Profil, das genau zum Freilaufkörper an der Nabe deines Hinterrads passt. Bei Shimano sind das HG oder MICRO SPLINE, bei SRAM das XD-Profil. Wie du beides an deinem Rad bestimmst, zeigt der Ratgeber Welche Kassette passt auf mein Fahrrad. Welche Kassette an deinem CUBE verbaut ist, siehst du bei jeder Kassette unter dem Punkt Cube Bikes. Die Kettenlänge richtet sich laut Shimano nach dem größten Ritzel. Hat die neue Kassette dort mehr oder weniger Zähne, prüfst du die Länge der Kette neu. Bei den Ersatzkassetten für dein CUBE filterst du nach Schaltstufen und Freilauf.